Der Kampf um den Erhalt der Sekundarschule - unsere  Geschichte

 

Die negative Entwicklung an der Sekundarschule Harzgerode führte dazu, dass im Frühjahr 2009 bei der Fortschreibung der Schulentwicklungsplanung durch den

Landkreis Harz im 1. Entwurf zu lesen war:

„Die Sekundarschule Harzgerode erreicht nicht die Mindestanforderungen für die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung – Mindestschülerzahl 180 – gemäß § 4 Abs. 3 (1). Die Schülerzahl an dieser Schule liegt innerhalb des Planungszeitraumes zwischen 144 und 163 Schülern. Der Landkreis als Planungsträger beantragt für die Sekundarschule Harzgerode eine Sondergenehmigung zum eigenständigen Erhalt. Die Stadt Harzgerode ist Grundzentrum und sollte daher über einen Sekundarschulstandort verfügen. Besonders unter Beachtung der territorial exponierten Lage und den in den Wintermonaten vorherrschenden klimatischen Bedingungen gewinnt die Existenz einer Sekundarschule am Ort für eine intakte Infrastruktur noch entscheidend an Bedeutung.”

Das Antwortschreiben des Landesverwaltungsamtes Referat Schulentwicklungsplanung, erarbeitet von Herrn Kreutzer, zum Abschnitt Sekundarschule Harzgerode lautete:

„Die Sekundarschule Harzgerode ist im Planungszeitraum der Schuljahre 2009/10 bis 2013/14 nach §4 Abs. 3 Nr. 2 Schulentwicklungsplanungsverordnung nicht bestandsfähig. Erst wenn alle Voraus- setzungen zur Schulgröße gemäß Schulentwicklungsplanungsverordnung erfüllt sind, kann eine Genehmigung erteilt werden. Dem Schulträger wird daher aufgegeben darzustellen, welche Maßnahmen vorgesehen sind, um für den Schulstandort die notwendige Schulgröße im gesamten Planungszeitraum sicherzustellen. Anderenfalls wird zum Schuljahr 2009/10 die Aufnahme einer Anfangsklasse (Klasse 5) nicht mehr zugelassen und für die Sekundarschule beginnt zum Schuljahr 2009/10 die auslaufende Beschulung. Diese ist im neuen Schulentwicklungsplan aufzunehmen und im Zeitablauf der Schuljahre darzustellen. Danach ist der Standort der Sekundarschule Harzgerode auf der Grundlage der genehmigten Schulentwicklungsplanung nach § 64 Abs. 1 Schulgesetz des Landes Sachsen-Anhalt aufzuheben.“

Dieses Schreiben vom 26.03.2009 ließ in Harzgerode die Alarmglocken läuten. Nun war allen der Ernst der Lage bewusst. Es musste schnellstens auf allen Ebenen gehandelt werden. Die folgende Darstellung zeigt die Dramatik der Schulentwicklung im Unterharz übersichtlich und einprägsam auf.

Welche Maßnahmen wurden ergriffen?

Am 29. April 2009 richtete der Elternrat der Sekundarschule Harzgerode ein Schreiben mit dem folgenden Inhalt an den Präsidenten des Landesverwaltungsamtes, Herrn Leimbach, in Halle:

„Sehr geehrter Herr Leimbach,
mit Bestürzung haben wir aus den Medien erfahren, dass der Sekundarschulstandort Harzgerode geschlossen werden soll.
Nach Ihrem Besuch in unserer Schule am 12.12.2008 waren wir, was den Erhalt unserer Schule angeht, recht zuversichtlich, denn Sie sprachen sich aufgrund der erreichten Ergebnisse für den Erhalt der Schule aus.
Ihre damals gemachte Aussage und die jetzige Ankündigung der Schulschließung können wir nicht verstehen und bitten umentsprechende Erklärung.

Im Interesse unserer Kinder und auf Grund der exponierten Lage des Schulstandortes sind wir entschieden gegen die Schließung dieser Schule.

Wir bitten Sie, sich im Rahmen Ihrer Möglichkeiten für den Erhalt der Sekundarschule Harzgerode einzusetzen.“

Die Antwort auf dieses Schreiben erfolgte bereits am 13. Mai und lautete folgendermaßen:

„Herr Präsident Leimbach hat mich gebeten, Ihnen auf Ihr Schreiben vom 29. April 2009 zu antworten. Nachdem wir durch den Planungsträger von der problematischen Situation des Sekundarschulstandortes Harzgerode unterrichtet wurden, fanden mehrere Gespräche statt, mit dem Ziel, den Standort Harzgerode zu stabilisieren. In der Beratung zur Anfangsklassenbildung für das kommende Schuljahr wurde dem Ausnahmeantrag zur Bildung der 5. Klasse am Standort Harzgerode entsprochen.

Dennoch sind weitere Maßnahmen durch den Planungs- bzw. Schulträger notwendig, um im Rahmen der Mittelfristigen Schulentwicklungsplanung die Sekundarschule Harzgerode so zu stärken, dass der Bestand zukünftig gesichert bleibt. Ich appelliere auch an Sie, weiter für Ihre Schule zu werben, sodass sich noch mehr Eltern für die Schulform Sekundarschule entscheiden, um somit einen aktiven Beitrag als Bürgerschaft für Ihre Schule zu leisten.”

Aktiv war zu dieser Zeit auch der Bürgermeister Horst Schöne mit seinen Stadträten. Gemeinsam kamen sie zu der Feststellung:

„Harzgerode habe schon das Gymnasium verloren; nun dürfe der Stadt nicht auch noch die Sekundarschule streitig gemacht werden.“

Vom Bürgermeister wurde um einen Termin im Kultusministerium gebeten und die Unterstützung des Landrates eingefordert. Weiter konnte festgestellt werden, dass sich der Kreisausschuss und der Kreistag für den Erhalt der Schule, die sich in Trägerschaft des Landkreises befindet, stark machen werden. Anstoß gab Mike Noppe, der die Elternräte zu einer Sondersitzung einlud und auf die Situation aufmerksam machte.

Der Elternrat (wir der spätere Schulförderverein) trat im September 2009 mit einem Flugblatt an die Öffentlichkeit, das zum Kampf für den Erhalt der Schule aufrief.

Sein Inhalt lautete:

„Liebe Schüler und Eltern,
es ist 5 vor 12. Die Zeit läuft gegen uns. Die Schulschließung der Sekundarschule steht kurz bevor, wenn wir nicht darum kämpfen.

Der Elternrat plant einige Aktionen, um die Aufmerksamkeit der Bevölkerung und der Politiker zu gewinnen. Unsere erste Aktion soll am 19.09.2009 beim Stadtgartenfest in Harzgerode starten. Wir planen dort mit einer Unterschriftenaktion zu beginnen. Weiterhin wollen wir Plakate mit Ihnen und Ihren Kindern anfertigen. Falls Sie also alte Bettlaken, Bezüge, Stoffmalfarben, wasserfeste Stifte, Spraydosen oder Ähnliches haben, bringen Sie es einfach mit.

Gerne würden wir auch Sie und Ihre Kinder dort begrüßen, um uns zu unterstützen. Vielleicht haben Sie auch noch die eine oder andere Idee, wie wir aktiv werden können. Durch unsere Präsenz wollen wir zeigen, dass es uns nicht egal ist, wo unsere Kinder zur Schule gehen.

Helft uns für den Erhalt der Schule zu kämpfen – kämpfen Sie mit uns für die Kinder.“

Nach Beendigung des Stadtgartenfestes, bei dem die Organisatoren der Aktion für die Erhaltung der Schule in orangefarbenen T-Shirts mit der Aufschrift SEK (Schul-Erhaltungs-Kampagne) und 5 vor 12 auftraten, hatte man 707 Unterschriften gesammelt und es wurden 11 Plakate angefertigt.

Sehr stark brachte sich bei dieser Aktion der amtierende Bürgermeister Meik Noppe ein. Der Wochenspiegel schrieb in seiner Titelzeile „Protestwelle gewinnt an Fahrt“ und berichtete über Warteschlangen an den Tischen mit den Listen für die Unterschriften. Weiter wird im Artikel festgestellt: „Der 19. September hat gezeigt: In Harzgerode wächst die Front derer, die eine Sekundarschule im Ort für die Stadt als unverzichtbar ansehen, in der Bürgerschaft, der Wirtschaft und den Vereinen immens.“ Im gleichen Artikel vom 27. September 2009 wird berichtet, dass die Zahl der Unterschriften für den Schulerhalt bereits auf mehr als 1300 angestiegen ist.

Schon im Oktober wird weiter Druck auf die Politiker ausgeübt.

Am Freitag, dem 09.10.2009, um 18.00 Uhr traf man sich zu einer weiteren Aktion an der Fußgängerampel der B 242.
Es wurden die im September gestalteten Plakate aufgehängt, der Spielmannszug der FFW spielte und es wurden weitere Unterschriften gesammelt. Es ging darum, für die Kinder und die Sekundarschule Präsenz zu zeigen. Über 150 Bürger/innen trafen sich und brachten ihren Willen für den Erhalt der Sekundarschule zum Ausdruck. In vorderster Reihe traf man bei dieser Aktion den amtierenden Bürgermeister Noppe und den Ortsbürgermeister Horst Schöne. Stolz konnte man verkünden, dass die Zahl der Unterschriften mittlerweile auf 1648 angestiegen ist. Außerdem wurde von den Bürgermeistern angekündigt, dass weitere Schritte über den Kreistag geplant sind.

Am 26. Oktober 2009 gründeten die Mitstreiter der Schul-Erhaltungs-Kampagne (SEK) den Förderverein „SEK – Förderverein Sekundarschule Harzgerode“.
Der Verein hat sich das Ziel gestellt, intensiv für den langfristigen Erhalt der Sekundarschule Harzgerode einzutreten und die Entwicklung der Schule mit Rat und Tat zu unterstützen.

Am 21. November 2009 konnte der neu gegründete Schulförderverein melden, dass mittlerweile über 2100 Unterschriften für den Erhalt der Schule gesammelt wurden, wobei die Sympathisanten aus allen Gesellschaftsschichten der Bevölkerung kamen und durch diese Aktion ein Umdenken vom Land bei den Schulschließungsplänen erwartet wird. Außerdem waren wir, der Förderverein die Sekundarschule auf den „Harzgeröder Adventswegen“ Vom Förderverein wurde außerdem ein Namenswettbewerb für die Schule ins Leben gerufen.

Als absoluten Höhepunkt in den letzten Jahren muss man aber den Besuch des Kultusministers Professor Jan-Hendrik Olbertz an der Sekundarschule Harzgerode betrachten.
Am 24. November 2009 kam der Kultusminister auf Einladung des amtierenden Bürgermeisters Noppe nach Harzgerode, um sich einen persönlichen Überblick über die Aktivitäten für den Erhalt der Sekundarschule zu verschaffen.
Gemeinsam mit dem Schulleiter, den Lehrern, Eltern und Schülern sowie Stadträten und Vertretern des Kreistages wurde die Situation an der Schule im Hinblick auf die Schülerzahlen diskutiert und nach konstruktiven Lösungen gesucht. Das Engagement für den Erhalt des Schulstandortes beeindruckte den Kultusminister, doch er stellte auch klar heraus, dass eine Bestandsgarantie für die Schule mit 140 Schülern nicht realistisch ist. Es müssen Wege und Mittel gefunden werden, um die Schülerzahlen zu erhöhen. Der Kultusminister betonte: „Jetzt sind kreative Lösungen gefragt“ und zeigte Wege auf. So betonte er, dass man sich um eine Kreisgrenzenüberschreitende Schulbeschickung bemühen muss. Gleichzeitig versprach der Kultusminister sich als Vermittler zwischen den Landkreisen einzusetzen. Er betonte weiter, dass ein Erhalt der Schule möglich ist, sich aber über Mindestschülerzahlen nicht diskutieren lässt.

Außer Frage steht, dass, wenn „die Schule den Bach runter geht, es für die Ansiedlung von Unternehmen alles andere als eine Einladung für eine Ansiedlung wäre“, so Olbertz. „Jetzt sind kreative Lösungen gefragt“, und zeigte Wege auf, wie zum Beispiel eine landkreisübergreifende Schulbeschickung. Dabei denkt er an die kreisgrenzennahe Schule in Roßla, welche 10 bis 20 Schüler nach Harzgerode abgeben könnte, ohne dass sie selbst in Schülernotstand geraten würde. Der Kultusminister versprach, sich als Vermittler zwischen den zwei Landkreisen einzusetzen, da unsere Schule auch ein wichtiger Punkt im Schulnetz für Sachsen-Anhalt darstellt.

Dass der Kultusminister Wort gehalten hat, geht aus einem Zeitungsartikel der MZ vom Frühjahr 2010 hervor. In einer Kreistagssitzung des Landkreises Harz über die Schulentwicklung im Landkreis, heißt es in der Überschrift: „Stolberger Schüler dürfen in Harzgerode lernen“.

Landrat Ermrich berichtete den Abgeordneten:

„Was den Erhalt und die Standortsicherung der bisher vakanten Sekundarschule Harzgerode anbetrifft, wurden Gespräche mit dem Kultusministerium, dem Landesverwaltungsamt und dem Landkreis Mansfeld-Südharz geführt. Im Ergebnis wird es eine Schulträgervereinbarung zwischen den Landkreisen Mansfeld-Südharz und Harz geben.“, kündigte Ermrich an. “Danach soll den Schülern aus dem Einzugsbereich der Grundschule aus dem benachbarten Stolberg ab dem kommenden Schuljahr ermöglicht werden, ab Klasse 5 die Sekundarschule in Harzgerode zu besuchen. Damit könnte der Unterharzer Sekundarschulstandort langfristig gesichert werden.“